Städte und Gemeinden können die bauliche Entwicklung ihres Standorts aktiv mitgestalten und dadurch ihre Identität massgeblich prägen. Dabei sieht man sich jedoch mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Welche Vision soll die Gemeinde langfristig verfolgen? Wie kann eine nachhaltige Entwicklung in den Dimension Ökonomie, Ökologie und Soziokultur sichergestellt werden? Welche Prozesse und Organisationsformen eignen sich am besten? Keine einfache Aufgabe. Anhand von sechs wichtigsten To-Do’s zeigen wir Ihnen auf, wie Sie Ihr Bauvorhaben erfolgreich umsetzen und die Standortqualität Ihrer Gemeinde damit erhöhen können.

Unsere gebaute Umwelt prägt das Ortsbild massgeblich. Wieso aber fahren wir auf unserer Reise durch das Mittelland durch so viele gesichtslose Dörfer und Städte, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden? Sie als Vertreterin und Vertreter einer Gemeinde haben die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Einen wesentlichen Hebel haben Sie mit eigenen Bauprojekten. Durch eine verantwortungsbewusste Areal- und Immobilienentwicklungen können Sie positiv zur Standortqualität beitragen. Die Ausgangslage, mit der sich eine Gemeinde hierbei konfrontiert sieht, ist sehr komplex. Den verschiedenen Stakeholdern ist genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie dem politischen Prozess, und den involvierten Projektpartnerinnen und Projektpartnern. Das Wichtigste ist, dass Sie sich ausführlich mit der Phase 0, der Initialisierung, auseinandersetzten (vgl. SIA Ordnung 101, Ordnung für Leistungen der Bauherren). Denn in dieser Phase werden die Grundalgen für den gesamten weiteren Prozess erarbeitet, auf deren Basis der Erfolg des Projekts beruht.

Sechs wichtige Aufgaben, mit denen Sie eine Projektentwicklung anpacken sollten:

1 – Das Ziel ist ein Produkt

Sie als Gemeindevertreterin und Gemeindevertreter kennen den Standort Ihres Projektes sehr gut. Aber wissen Sie auch, wie sich die Gemeinde demografisch von den Nachbargemeinden unterscheidet? Wissen Sie, wie sich der Immobilienmarkt strukturiert und wo das Preisniveau im kantonalen Vergleich liegt? Stützen Sie Ihre Projektentscheide auf Fakten ab. Durch eine fundierte Standort- und Marktanalyse werden Sie den Standort noch besser verstehen. Sie dient Ihnen dazu, die Nutzungskonzeption seriös und präzis zu definieren und die Zielgruppen festzulegen. Wüest Partner verfolgt in dieser Phase jeweils den Anspruch, ein Produkt zu entwickeln. Ein Produkt, dessen Angebot auf die Nachfrage und auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abgestimmt ist. 

Standortqualität: Analyse

2 – Bringen Sie die Vision zu Papier

Nun gilt es dem Produkt, welches auf die spezifische Standort- und Marktsituation abgestimmt ist, mit einer Vision Leben und Emotionen zu verleihen. Das ist ein sehr kreativer Prozess, bei dem sich auch gerne verschiedene Stakeholder beteiligen sollen. Wichtig ist, dass sich möglichst viele Gemeindebewohnerinnen und Gemeindebewohner angesprochen fühlen, Emotionen geweckt werden und ein Bild davon skizziert wird, wie es sich zukünftig im Quartier oder in der Überbauung leben und arbeiten lässt. Halten Sie sich kurz und kommen Sie auf den Punkt. Ein bis zwei A4-Seiten reichen völlig aus.

Die Vision dient schlussendlich der Kommunikation mit der Bevölkerung, als Grundlage für alle am Prozess beteiligten Planerinnen und Planer und Unternehmerinnen und Unternehmer und nicht zuletzt auch dazu, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Und glauben Sie uns, der konstante Fokus auf das definierte Ziel ist eine der zentralen Herausforderungen bei Bauprojekten, die sich über viele Jahre entwickeln und von verschiedensten Personen begleitet werden.

3 – Erstellen Sie eine Roadmap

Spätestens wenn Vision und Ziel formuliert sind, sollten Sie eine Roadmap erstellen. Eine Roadmap ist ein Ablaufplan, welcher die Meilensteine definiert, die Zuständigkeiten festlegt und Abhängigkeiten für den gesamten Planungs- und Bauprozess aufzeigt. Fortlaufend wird dann jeweils die nächste Projektphase konkretisiert. Eine Roadmap ist ein wichtiges Arbeitsinstrument, welches Sie dabei unterstützt, stets den Prozessüberblick zu behalten und die Meilensteine fristgerecht zu erreichen.

4 – Legen Sie fest, wie Sie sich organisieren und wer welche Entscheide zu treffen hat

Entscheide zu fällen von der Relevanz, wie sie bei einem Bauprojekt anfallen, kann schwierig sein. Umso mehr, wenn die Bauherrin oder der Bauherr zum Beispiel in Form einer Gemeinderätin, eines Gemeinderates auftritt, der/die auch politische Anspruchshaltungen, Abstimmungen und Wahlen in seine/ihre Erwägungen miteinbeziehen muss. Entscheide sind aber notwendig, um mit einem Projekt voranzukommen. Legen Sie also fest, wie Sie sich optimal organisieren und wer über welche Entscheidungskompetenzen verfügt, und welche Themen durch externe Spezialistinnen und Spezialisten bearbeitet werden.

5 – Betrachten Sie das Projekt in seiner Gesamtheit

Wenn Sie den Anspruch haben, mit einer Projektentwicklung die gebaute Umwelt über viele Jahre positiv zu beeinflussen und die Standortqualität zu verbessern, dürfen Sie es nicht verpassen, Ihr Vorhaben aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ein Projekt muss rentieren. Aber nur wer die Aspekte Ökologie, Soziokultur und Ökologie in ein Gleichgewicht bringen kann, wird ein nachhaltig erfolgreiches Projekt realisieren können.

6 – Öffentlichkeitsarbeit – der Schlüssel zum Erfolg

Nicht selten müssen Gemeindeprojekte die Hürden einer oder gar mehrerer Abstimmungen überwinden. Eine frühzeitige und stete Kommunikation über das Vorhaben (Produkt und Vision) und den Projektfortschritt (Roadmap) sind daher von grösster Wichtigkeit. Als erfolgsversprechend haben sich auch Mitwirkungsverfahren erwiesen. Die Meinung der Bevölkerung, ihre Wünsche und Sorgen können dadurch schon vorgängig abgeholt werden und in das Vorhaben einfliessen. Vergessen Sie dabei nicht, die Art und Weise der Kommunikation empfängergerecht zu gestalten. Auch hier kann es sinnvoll sein, sich von Expertinnen und Experten beraten zu lassen. 

Ist Ihnen Bewusst, welche grosse Verantwortung Sie als Bauherrin und Bauherr gegenüber der Gesellschaft haben und welche Möglichkeiten Sie besitzen, die Identität und Attraktivität der Gemeinde aktiv zu beeinflussen? Nutzen Sie die Chance die Verantwortung wahrzunehmen und die Gemeindeattraktivität positiv zu beeinflussen. Das Projekt, welches Sie und Ihr Team realisieren, wird 50 bis 100 Jahre Bestand haben. Damit es aber eine Erfolgsgeschichte wird, sollten Sie die sechs genannten Themen frühzeitig angehen. Damit schaffen Sie die Grundlagen, um die Standortqualität Ihrer Gemeinde mit einem gelungenen Projekt positiv zu beeinflussen.

Und zu guter Letzt können wir Ihnen versichern: Niemand hat gelernt Bauherrin und Bauherr zu sein. Diese Aufgabe ist äusserst anspruchsvoll, da viele Themenbereiche zusammenfliessen. Holen Sie sich also die Unterstützung, die Sie brauchen. Wir von Wüest Partner bieten Ihnen mit unserer grossen Expertise in vielseitigen Tätigkeitsbereichen des Immobilienmarktes gerne unsere kompetente und umfassende Beratung an.

Autor:innen: Matthias Weber, Martina Wäckerlin, WüestPartner

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