Herausforderungen bei Raum- und Standortentwicklungsprojekt

Eine der zentralen Herausforderungen bei Raum- und Standortentwicklungsprojekten stellt das Vorhandensein einer Vielzahl beteiligter und betroffener Akteur:innen (Personen, Organisationen, Körperschaften) dar, die über unterschiedliche Interessen, Rollen und Verantwortlichkeiten verfügen.

Beteiligte (wie beispielsweise die Projektdurchführenden) und Betroffene (wie beispielsweise Anwohnerinnen und Anwohner) haben mitunter Interessen, die sich eklatant voneinander unterscheiden. Während erstere das Projekt möglichst schnell und reibungslos fertigstellen möchten, agieren letztere zuweilen als Veto-Spieler:innen mit dem Ziel, das Vorhaben aufzuhalten.

Raum- und Standortentwicklungsprojekte sind ferner gekennzeichnet durch parallele und überlagernde Verfahren (politisch, gesetzlich u.a.) und durch ein hohes Mass an Komplexität (Einzelprojekte, Zusammenhänge, Abhängigkeiten).

Funktionsweise Akzeptanzmonitoring

Das Gelingen von Raum- und Standortentwicklungsprojekten setzt Akzeptanz der Beteiligten und der Betroffenen voraus. Dies gilt ganz besonders für den direkt-demokratischen politischen Kontext in der Schweiz, worin auch kleine und gut organisierte Interessengruppen im Stande sind, grosse und langfristige Raum- und Standortentwicklungsprojekte zu Fall zu bringen. Die demokratische Legitimation ist deshalb für die Durchführung von Raum- und Standortentwicklungsprojekten unabdingbar.

Forschung zeigt, dass weniger die Befürworter:innen denn die Gegner:innen für eine erfolgreiche Umsetzung von Raumplanungsprojekten entscheidend sind (siehe Pleger 2017). Es gilt deshalb, möglichst früh in Raum- und Standortentwicklungsprojekten die Akzeptanz der involvierten Akteur:innen zu erfassen, um zentrale Handlungsfelder und potenzielle Veto-Spieler:innen rechtzeitig zu identifizieren und entsprechende Massnahmen abzuleiten.   

Ein «Akzeptanzmonitoring» kann die Akzeptanz von verschiedenen Zielgruppen über eine längere Zeit, themenspezifisch messen. Die Erkenntnisse aus dem Akzeptanzmonitoring können zuhanden von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern den Handlungsbedarf bezüglich Informationstand sowie der weiteren inhaltlichen Gestaltung des Projektes zwecks Akzeptanzsteigerung aufzeigen.

Vorgehen Akzeptanzmonitoring

Das Vorgehen des Akzeptanzmonitorings besteht aus einem vierstufigen Verfahren, das – in Abhängigkeit des Projektumfangs und der Projektdauer – periodisch wiederholt werden sollte (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Vorgehen Akzeptanzmonitoring

In einem ersten Schritt werden die zentralen Akteur:innen identifiziert, wobei nach Beteiligten und Betroffenen unterschieden wird und die Zielgruppen im Fokus stehen. Darauf aufbauend erfolgt in einem zweiten Schritt die Erhebung des Status-Quo der Zielgruppenakzeptanz im Allgemeinen und akzeptanzbeeinflussende Faktoren (z.B. Informationsstand, Bedenken, Chancen und mögliche Ursachen) im Konkreten. Im dritten Schritt des Akzeptanzmonitorings werden konkrete Massnahmen zur Akzeptanzsteigerung abgeleitet und diese werden schliesslich in einem vierten Schritt implementiert. Durch die kontinuierliche Überwachung der Akzeptanz und Einflussfaktoren, die zu einer Unterstützung oder Opposition von Raum- und Standortentwicklungsprojekten beitragen können, lassen sich sinnvolle Massnahmen entwickeln, die dabei helfen, Vorbehalte frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Akzeptanzmonitoring erhöht die Planungssicherheit sowie den effizienten und effektiven Ressourceneinsatz im Projekt.

Autorin: Lyn E. Pleger, ZHAW

Interesse am Thema Standortentwicklung?

Mit unserem Newsletter informieren wir über neue Trends, wissenschaftliche Studien und allgemeine News aus dem Bereich Standortentwicklung.